coachin-logoHatten wir uns im Vorfeld doch alles so schön ausgemalt: die Weihnachtsdekoration war passend zu Sofakissen und Tapeten ausgewählt, die Gans sollte pünktlich um 18.00 Uhr serviert werden und mit Prosecco davor und weihnachtlichem Zimteis danach dürfte dann der gemütliche Teil des Abends mit Musik und Bescherung eingeläutet werden. Dann würden wir uns alle in den Armen liegen, uns an den sorgsam ausgesuchten und liebevoll verpackten Geschenken freuen und das Fest der Liebe gemeinsam genießen. Soviel zur Theorie.

In der wirklichen Welt passiert es manchmal, dass plötzlich und unerwartet noch vor der Hauptspeise unangekündigter Besuch vor der Tür steht und der Göttergatte freudig trotz unserer warnenden Blicke mit einem herzlichen „setz Dich doch zu uns“ zum Verweilen einlädt. Das zusätzlich aufgelegt Gedeck und der herbeigezogene Stuhl vermasseln plötzlich die sorgsam abgestimmte Optik und das Gesamtarrangement der Deko.

Spätestens wenn dann die Kids zu quengeln beginnen, weil immer noch nicht beschert ist, während das Zimteis zur Zimtsoße auftaut, wenn der Familienhund auf der Suche nach Zuwendung die Päckchen und Geschenke ankaut, wenn statt sphärischer Engelsklänge laute Diskussionen sogar Frank Sinatras „White Christmas“ übertönen, wissen wir: irgendetwas an unserem ursprünglich so perfekt ausgeklügelten Plan ist in Schieflage geraten. Und wir wissen, wir sind nicht allein damit: hinter heimischen Vorhängen und Türen entwickelt sich mit schöner Regelmäßigkeit aus dem traditionellen Familienfest ein hochexplosives Familiendrama.  Auch schon fast traditionell – „Alle Jahre wieder“.

Wenn’s anders kommt als man denkt

Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Wichtige Ereignisse werfen große Schatten voraus. Für viele ist das Weihnachtsfest ein wichtiger Termin im Kalender. Insbesondere nach einem arbeitsreichen Jahr schauen viele voller Hoffnung auf die beschaulichen Tage. Wir haben Ideen und Vorstellungen, wie wir diese besonderen Tage erleben und auch verdientermaßen genießen möchten. Bevor das Ereignis eintritt, haben wir bereits Bilder im Kopf, wie es werden könnte oder sollte. Entsprechend dieser Vorstellungen werden wir aktiv und versuchen, die Realität nach diesem Bild zu erschaffen. Soweit ganz in Ordnung. Wenn dann die Ereignisse auch so eintreffen, wie wir es gerne hätten, bleibt die Welt in Ordnung. Schwieriger wird es, wenn wir auf unseren Vorstellungen sitzen bleiben und das Leben sein eigenes Drehbuch schreibt. Und das, obwohl wir doch so sorgfältig nachgedacht, geplant und vorbereitet hatten.

Hohe Erwartungen und ihr Konfliktpotential

Je wichtiger ein Anlass oder ein Ereignis für uns ist, desto höher sind bei vielen die Erwartungen, desto größer und farbenfroher die Vorstellungen und desto geringer für viele oftmals auch der Spielraum für Abweichungen. Allerdings macht genau diese Möglichkeit, dass Fehler oder Planänderungen vorkommen dürfen und sogar sollten, den kleinen, aber feinen Unterschied. Unser Leben hält sich nicht an unsere vorgefertigten Regieanweisungen. Wir möchten das gerne glauben und gelegentlich dürfen wir es auch glauben. „Wenn ich etwas nur will, dann kann ich es auch erreichen“ oder „was ich selbst in der Hand habe, kann ich auch kontrollieren“. Stimmt – aber eben nur manchmal. Beim Versuch, alles und in voller Gänze zu kontrollieren, beginnt es anstrengend zu werden. Je festgelegter wir sind, dass nur das eintreten darf, was wir erwarten – und zwar genau das und genau so wie vorgestellt -, desto starrer und unflexibler werden unsere Reaktionen. Dabei verlieren wir an Spontaneität, wir verlernen zu improvisieren und vor allem: das Leben so zu nehmen, wie das Leben eben läuft.

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